Liebe auf den zweiten Blick

Heute gibt es wieder eine Kurzgeschichte und zwar von einem Kollegen aus der Schule. Wenn ihr weitere Fragen an den Autor habt, schreibt in die Kommentare oder mir eine Mail.

Viel Spaß!

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Als Marie aus dem Bus stieg klingelte ihr Handy. Eigentlich hatte sie keine Lust ranzugehen. Ihr Schultag war grauenhaft gewesen – sie hatte ihre Mathearbeit wiederbekommen. Natürlich hatte Marie wieder mal eine Fünf geschrieben. Das war aber auch nicht anders zu erwarten gewesen. Aber jetzt stand ihre Versetzung in die zehnte Klasse auf der Kippe. Missmutig hob sie ab.
,,Hallo?“
,,Hey, ich bins Clara. Hattest du einen schlechten Tag?“
Oh nein! Nicht Clara! Eigentlich war Clara Maries beste Freundin und ging auf eine andere Schule. Aber sie kam gerade sehr ungelegen. Clara merkte nämlich immer, wenn mit Marie etwas nicht in Ordnung war und Marie hatte überhaupt keine Lust sich zu erklären. Denn zu allem Überfluss war Clara im Gegensatz zu ihr Klassenbeste, während Marie jedes Jahr um ihre Versetzung bangen musste. Aber sie einfach wegzudrücken wäre auch nicht die Bombenlösung.
,,Hi Clara, warum rufst du an?“
,,Es geht um die Party heute Abend.“ Natürlich! Die Party! Wie hatte sie das nur vergessen können.
,,Du glaubst nicht wer auch kommt!“ Trotz ihrer schlechten Laune wurde Maries Neugier geweckt.
,,Wer denn?“
,,Niklas!“ Das konnte nicht sein. Sie musste sich verhört haben.
,,Der Niklas?“
,,Ja!“ Der Tag war gerettet. Mit einem strahlenden Lächeln machte sich Marie auf den Weg nach Hause. Niklas war ein Junge aus der Stufe über ihr und sie himmelte ihn an. Mit seinen strahlend blauen Augen und seiner süßen Frisur war er ihr Traumjunge. Aber zu erst musste sie ihrer Mutter die Arbeit zeigen. Hoffentlich hatte sie gute Laune, sonst würde sie ihr womöglich noch die Party verbieten. Aber das kam gar nicht in Frage. Doch ihre Rechnung ging nicht auf. Ihre Mutter hatte sehr schlechte Laune. Maries Vater, der Ex-Mann ihrer Mutter hatte versucht wieder Kontakt aufzunehmen, obwohl ihre Mutter ausdrücklich gesagt hatte, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle, nachdem sie ihn mit einer Anderen im Bett erwischt hatte. Vielleicht sollte Marie besser nichts von der Arbeit sagen. Aber ihr Mathelehrer, Herr Lenz, war ihr zuvorgekommen und hatte bei ihr zu Hause angerufen. Alles Bitten und Betteln war vergeblich. Die Party war gestrichen. Wütend auf sich selbst, ihre Mutter und vor allem ihren Mathelehrer rief Marie bei Clara an.
,,Hey, ich darf nicht kommen,“ meinte sie niedergeschlagen.
,,Was?!“ rief Clara empört.
,,Ich hab die nächste Mathearbeit versemmelt und Herr Lenz hat bei uns angerufen.“
,,Oje, das klingt nicht gut aber das kriegen wir hin“,erwiederte Clara geheimnisvoll. ,,Du sagst deiner Mutter einfach, dass du dich mit mir zum Lernen verabreden willst und danach bei mir schlafen kannst. Natürlich gehen wir stattdessen auf die Party, aber bei mir schlafen kannst du danach trotzdem.“
,,Du bist die Beste! Halb sieben bei dir?“
,,Ok, bis später.“
Wie gesagt, so getan. Gegen sechs uhr machte sich Marie auf den Weg. Clara wohnte praktisch auf der anderen Seite der Stadt also war ihr Vorhaben ziemlich sicher. Der Bus hatte Verspätung. Als sie bei Clara ankam, wartete diese schon auf sie.
,,Schnell, wir kommen zu spät!“ rief sie.
,,Ja ja beruhige dich erstmal. Der Bus hatte Verspätung und da war so ein Junge, der war echt süß!“
,,Und was ist mit Niklas?“ fragte Clara erstaunt.
,,Der ist natürlich immer noch mein Traum, aber man wird sich ja mal umsehen dürfen“ kicherte Marie. ,,Aber wir sollten uns wirklich beeilen!“
,,Da kommst du jetzt drauf?“
,,Quatsch nicht, komm! Der Bus kommt gleich.“
Es war nicht so voll wie Marie gedacht hatte. Vielleicht zwanzig Leute waren anwesend. Und dann sah sie ihn. Niklas. Strahlend kam er auf sie zu. Aber er begrüßte Clara und tat so als würde Marie gar nicht existieren. Und Clara ging auch noch darauf ein! Marie war sauer und enttäuscht zugleich. Sie waren doch beste Freundinnen! Wie konnte Clara ihr nur so etwas antun. Aber auch Clara ignorierte Marie einfach und hatte nur noch Augen für Niklas. Sollte sie doch. Niedergeschlagen ließ Marie die Beiden allein und ging im Raum herum– und traute ihren Augen nicht. Das war doch der Junge aus dem Bus! Anscheinend war er allein gekommen. Und er erkannte sie! Er kam ein bisschen verlegen auf sie zu und stellte sich vor.
,,Hi, ich bin Paul“, sagte er. ,,Du bist doch das Mädchen aus dem Bus das mich so angestarrt hat.“
Marie konnte sich nicht erinnern das getan zu haben, aber möglich war es schon.
,,Hab ich das?“ fragte sie. ,,Sorry war nicht gewollt“, fügte sie verlegen hinzu.
,,Schon vergessen“, grinste Paul. ,,Wie heißt du?“
Marie erwiederte nichts. Sie konnte nicht umhin diesen Jungen anzusehen.
,,Hallo?“, holte dieser sie zurück in die Wirklichkeit.
,,Oh, sorry, ich bin Marie“, erwiederte sie ertappt.
,,Willst du tanzen?“, fragte Paul. Dieser Junge ließ sie noch den Verstand verlieren! Außerdem konnte sie nicht tanzen und hatte auch überhaupt keine Lust.
,,Gerne“, sagte sie. Hatte sie eben zugesagt? Das musste sie schnell wieder rückgängig machen!
,,Aber ich kann nicht so gut tanzen“, meinte sie kichernd. Es hatte keinen Sinn. Es war, als hätte plötzlich ihr Herz das Sagen und nicht ihr Kopf. Das konnte sie nicht zulassen! Aber alle Mühe war vergebens. Er nahm sie bei der Hand und führte sie zur Tanzfläche. Und plötzlich war da so ein unerklärliches Kribbeln in ihrem Bauch, was sie noch nie zuvor verspürt hatte.
,,Hörst du mir überhapt zu?“, riss sie Paul aus ihren Träumen.
,,Was?“ fragte Marie.
,,Ich sagte, dass das kein Problem ist und dass ich es dir beibringen kann“, lachte Paul. Er fand die Situation wohl witzig. Aber irgendwie schien das Marie nicht zu stören. Das Tanzen fiel ihr so leicht wie noch nie. Offenbar war Paul ein guter Lehrer. Niklas und Clara waren längst vergessen. Sie schaute ihn wieder an und plötzlich schaute er zurück. Sie sah sein Gesicht näher kommen, spürte seinen Atem auf ihrer Wange, spürte seine Lippen auf ihren. Ihr Gehirn setzte aus. Sie wünschte, dieser Augenblick würde niemals vergehen, während ihre normale Welt in einem glühenden Meer aus Schmetterlingen versank. Der Augenblick war viel zu kurz gewesen, dachte Marie, als sich Paul wieder von ihr löste . Sie dachte daran, was Clara und Niklas jetzt wohl gerade machen würden. Apropos Clara – wo war sie überhaupt? Sie war doch eben noch mit Niklas auf der Tanzfläche gewesen. Marie schaute sich im Raum um. Clara und Niklas waren verschwunden.

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